Wann hast du das letzte Mal etwas zum ersten Mal gemacht? In diesem Jahr habe ich wahrscheinlich so viele Dinge zum ersten Mal gemacht, wie in keinem anderen zuvor. Und genau so begann für mich auch die Schutzengel-Aktion der Rennleitung#110. Anfang Februar stand ich auf der Leipziger Motorradmesse zum ersten Mal einen Tag lang an einem Messestand und habe die Menschen und die Arbeit der Rennleitung#110 kennen gelernt. Und nun, fast genau ein halbes Jahr und viele Aktionen später, wartete im Finale der Schutzengel-Aktion ein neues Abenteuer auf mich: zusammen mit den drei anderen Schutzengel-Finalistinnen Fiona, Annika und Melli und Pit, welcher als unser Instruktor fungierte, durfte ich auf dem Lausitzring an einem freien Rennstreckentraining des MOTORRAD action teams teilnehmen. Mein erstes Mal auf der Rennstrecke.


Vorbereitung ist die halbe Miete


Noch nie auf einer Rennstrecke gewesen hieß es im Vorfeld für mich, mich intensiv mit der Thematik auseinander zu setzen. Welche Umbauten sind am Motorrad erforderlich? Wie nehme ich diese vor? Was muss abgeklebt werden? Wie kommt man zur Startnummer? Welche Anforderungen gibt es an Helm, Kombi und Co? Wie verläuft die Strecke? Welche Flagge steht für was? Wann muss ich wo sein? Was muss ich alles mitnehmen? Welche Verhaltensregeln gelten auf der Strecke? Und und und…
Fragen, die eingefleischten Rennsportlern wahrscheinlich ein müdes Lächeln ins Gesicht rufen. Dinge, mit denen sie sich schon längst nicht mehr befassen. Für einen Neuling ist all das allerdings ein Buch mit sieben Siegeln. Also habe ich mich durchgefragt, belesen und mir hilfreiche Einsteigervideos auf YouTube angesehen. Mir eine Liste geschrieben, mit allen Dingen die wir brauchten und die nützlich sein könnten und ebenso versucht mich mental auf diese neue Welt einzustellen. Vielleicht bin in dieser Hinsicht etwas verkopft, aber nur das Gefühl vorbereitet zu sein, kann mir auch die nötige Gelassenheit geben unbekanntes Terrain zu betreten, oder viel besser: zu befahren.
Manches Mal war ich verzweifelt, weil ich nun mal so gar nicht auf Racing eingestellt bin und immer wieder auf Fragestellungen gestoßen bin, die mich entweder verunsicherten oder mir weitere Fragezeichen im Kopf bescherten. Ein großer Knackpunkt war mitunter mein Helm. Ich fahre nun seit 3 Jahren einen HJC IS-17. Ein alltagstauglicher und erschwinglicher Integralhelm – mit Ratschenverschluss. Nicht gern gesehen auf der Rennstrecke, bei manchen Veranstaltern sogar untersagt.
Glücklicherweise ereignete sich aber eine ganz besondere Fügung: als hätte Arai von meinem Problem geahnt, schrieben sie mich 1,5 Wochen vor dem Rennstreckentraining an, dass sie mich gerne mit einem ihrer Helme unterstützen möchten. Ich konnte mein Glück kaum fassen. Mit meinem neuen Arai RX-7V war ich dann also bestens für meine erste Rennstreckenerfahrung ausgestattet. Auch wenn ein ausführlicher Bericht über diesen Helm noch folgen wird, möchte ich an dieser Stelle verraten, dass ich mich bereits während des ersten Turns geradeaus in ihn verliebt habe.

Rennsteckentrainig auf dem Lausitzring, Motorrad, Rennleitung#110, Motorradfahrerin, Arai RX-7V


Ankommen, Abschrauben, Abkleben


Am Vortag haben mein Freund und ich einen Testlauf bezüglich aller Umbauten gemacht, meine Originalsitzbank montiert und ich habe alles Notwendige zusammen gepackt und so vorbereitet, dass wir am nächsten Morgen nur alles schnell ins Auto verladen mussten. Die Wetterprognosen ließen bereits nichts Gutes verlauteten und somit haben wir uns für die Hin- und Rückfahrt auf viel Nass von oben eingerichtet. Leider konnten wir im Vorfeld keinen Transporter mehr organisieren, so dass wir mit Motorrad und Auto anreisen mussten.
Nachdem am nächsten Morgen um 4 Uhr früh der Wecker klingelte, kamen wir nach ca. 1,5 Stunden Fahrt gegen 7:30 Uhr im Fahrerlager an. Pit und die anderen Schutzengel-Kandidatinnen waren aufgrund ihrer langen Anfahrt bereits einen Tag vorher angereist und empfingen uns mit viel guter Laune. Nach einer herzlichen Begrüßung bereiteten wir gemeinsam unsere Motorräder vor und nahmen im Anschluss an der Fahrerbesprechung teil.

Rennsteckentrainig auf dem Lausitzring, Motorrad, Rennleitung#110, Motorradfahrerin
V.l.n.r.: Fiona, Pit, Annika und Melli

Natürlich wurde ich bei der Anmeldung aufgrund meiner MT-07 belächelt, denn unter all den Rennmaschinen war sie eine der wenigen Naked Bikes vor Ort und natürlich auch nicht die Leistungsstärkste. Für mich persönlich gehört eine MT-07 auch einfach auf die Straße und nicht auf die Rennstrecke. Mich ihrer zu schämen fiele mir aber im Traum nicht ein. Was wir anfangen, das ziehen wir auch durch. Wenn das Unwetter die Fahrbahn nicht zu Schmierseife verwandelt hätte…


Turn 1


9:40 Uhr hieß es für unsere Gruppe 3 den ersten Turn zu fahren. Nachdem Pit uns noch die letzten wichtigen Instruktionen gegeben hat, war ich erstaunlicherweise wenig aufgeregt, als wir dann in Reih und Glied vor der roten Ampel auf Grün warteten. Während der Wartezeit überprüfte Pit, ob wir unsere Helme verschlossen und an unsere Rückenprotektoren gedacht hatten.

Rennsteckentrainig auf dem Lausitzring, Motorrad, Rennleitung#110, Motorradfahrerin
Pit auf Kontrollgang

Ich muss gestehen, dass ich lange Zeit nur mit einem Einsteckprotektor unterwegs gewesen bin, was ich niemanden anraten möchte. Deswegen habe ich mich vor einiger Zeit nach einem wirklich professionellen Rückenschutz umgeschaut und bin auf Ortema gestoßen, welche wie der Name schon sagt, angelehnt aus Erkenntnissen der Orthopädietechnik funktionelle und sehr sichere Protektoren entwickelt – für Spitzen- sowie Hobbysportler. Da ich davon sofort sehr angetan war, kontaktierte ich Ortema und fragte nach einem Rückenprotektor als Testobjekt. Die Antwort kam prompt und nur wenig später ließen sie mir den Ortho-Max Dynamic zukommen, welchen ich ab sofort auf Herz und Nieren prüfen darf und den ich auf dem Lausitzring das erste Mal trug.

 


Aber zurück zur Rennstrecke: meine einzigen Bedenken bestanden von Anfang an eigentlich nur darin, dass ich über den Haufen gefahren werden könnte, weil ich zu langsam bin. Umso positiver überrascht war ich, mit welcher Fairness auf dem Ring gefahren wurde. Ich hatte kein einziges Mal das Gefühl, beim Überholvorgang eines anderen Fahrers gefährlich geschnitten wurden zu sein und habe versucht eine absehbare Linie zu fahren, die anderen ausreichend Chance lies an mir vorbeizuziehen.
Aber es fühlte sich tatsächlich komisch für mich an, hier auf dem Ring sehr schnell sein zu müssen! Druck baute sich bei mir auf. Nicht nur vom fahrerischen her, sondern auch gedanklich. Motorrad fahren geschieht bei mir mit sehr viel Emotionalität und nicht, weil ich irgendetwas muss. Es gibt Tage, da liebe ich die Geschwindigkeit und die Beschleunigung und es gibt Tage, da genieße ich das entspannte Fahren. Aber auf einer Rennstrecke geht es nun mal nur um eines: schnell sein. Eigentlich logisch, oder? Darauf einstellen musste ich mich trotzdem erst.

P1070836_Fotor
Das notwendige zügige Runterschalten bereitete mir Probleme und führte nicht selten dazu, dass ich so manche Kurven viel zu untertourig nahm. In diesem Moment verlierst du nicht nur Stabilität in der Maschine, sondern es lässt dich auch beim Versuch danach aus der Kurve rausbeschleunigen zu wollen verdammt alt aussehen. Auch die extrem weit nach vorn gerichtete Blickführung war ungewohnt für mich, da man auf der Straße mit ganz anderen, meist viel kürzeren Entfernungen und weniger Sichtfreiheit arbeiten muss. Meine Körperhaltung war, wie ihr euch sicher denken könnt, angespannt und steif. Aber: kein Meister ist vom Himmel gefallen!
Denn all die neuen Eindrücke musste ich erstmal auf mich wirken lassen. Ideallinie finden, an Blickrichtung und Körperhaltung denken, locker werden, die Kurven kennen lernen, Gas geben! All das setzt man nicht innerhalb der ersten 20 Minuten um. All das üben und verfeinern die Rennstreckenprofis wohl ihr Leben lang. Ich tastete mich ran, war aber nicht wirklich zufrieden mit dem Ergebnis. Ich beendete den ersten Turn mit dem Gedanken: eine Rennfahrerin wird in diesem Leben nicht mehr aus dir!

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Vor dem Turn ist nach dem Turn

Wenn ihr wissen wollt, ob ich meine Meinung nach dem nächsten Turn ändern konnte, warum wir das Training vorzeitig abbrechen mussten und ob ich nochmal auf eine Rennstrecke fahren würde, solltet ihr Sonntag wieder vorbeischauen. Dann gibt es den zweiten Teil zu meinem ersten Mal auf der Rennstrecke ;-).
Viele Grüße,
Marie

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