„Schaut mal, das sind ja alles nur Mädels!“, diese und viele andere Reaktionen waren auf uns gerichtet, als wir neulich eine reine Bikergirlstour veranstalteten und 12 Motorradfahrerinnen einen Tag lang die Straßen des schönen Sachsens unsicher machten. Auch gab es neben den vielen sich umdrehenden Köpfen tatsächlich Männer, die an der Tankstelle mit offenen Kofferraumklappen losfuhren, weil unsere Anwesenheit wohl etwas sehr Außergewöhnliches war. Und weil Frauenpower an so einem Tag einfach Programm ist, habe ich heute die Ehre das Heidi von den „Lullerpuppen„, welche neben Muriel die Tour geführt hat, ihre ganz persönlichen Eindrücke von diesem Tag schildert. Viel Spaß beim Lesen!


Im letzten Blog schrieb Marie darüber etwas zum ersten Mal zu machen. Und zu unserer 1. Bikergirlstour am 19.08. ging es mir ganz ähnlich wie ihr. Da ich den Führerschein erst seit Oktober letzten Jahres besitze, ist es nämlich auch meine erste Saison und ich habe als Motorradfahrerin in diesem Jahr irgendwie alles das erste Mal getan. In meiner kurzen Zeit als Bikerin habe ich so viele starke Frauen kennengelernt, dass ich es kaum erzählen könnte. Und selbst jenseits des Zweirades ist diese Freundschaft zu „meinen Motorradmädels“ einfach etwas ganz Besonderes.

Mittlerweile weiß ich gar nicht mehr so genau, wie der Gedanke einer eigenen Frauentour aufkeimte. Aber nachdem sechs weitere motorradbegeisterte Mädels und ich die „reallypassionate.riders“ gründeten und die Idee einer gemeinsamen Ausfahrt immer mehr Form annahm, wurde ich innerlich schon sehr nervös. Wir haben immer wieder darüber gesprochen, was wir alles beachten wollen und wer was für wichtig hält. Viele von uns hatten schon Touren mitgemacht. Ich war bisher nur Sozia gewesen. Trotzdem hatte ich grob eine Vorstellung davon, wie man sich in der Gruppe verhalten sollte. Umsetzen musste ich dies bisher jedoch noch nicht.

Den Verlauf der Tour hatte ich eigentlich nur aus Langeweile einmal grob skizziert und ich fragte die anderen, wie sie ihn finden. Nach ein paar Änderungen stand unsere Route relativ schnell fest: eine Schlössertour durch unser schönes Sachsen. Der Großteil der Strecke war mir gut bekannt, manche Straßen davon fuhr ich als Chemnitzerin fast täglich. Unverhofft wurde ich dann ganz einfach zur Tourenführerin ernannt. Zum einen erfüllte mich das ganz schön mit Stolz, dass die anderen mir diese Aufgabe anvertrauten, zum anderen machte es mich mächtig nervös. Ich fuhr meine Daytona erst seit 4 Wochen und die neuen Reifen waren noch nicht einmal richtig angefahren.

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Treffpunkt in Waldheim

Als ich am Morgen der Tour aufstand, konnte ich vor lauter Aufregung nichts frühstücken. Ich fuhr schon sehr viel eher los als nötig und das zum Glück, denn ich hatte mich auf dem Weg zum Treffpunkt mal wieder verfahren. Als ich dann doch noch pünktlich die anderen erreichte, schoss mit einem Mal fast das gesamte Kühlwasser aus der Verkleidung meiner geliebten Triumph. Mittlerweile bekomme ich zwar keine große Panik mehr, wenn ich eine Panne habe, trotzdem hakte ich innerlich die Tour bereits ab und war sehr enttäuscht darüber. Irgendwie glaubte ich wohl, dass ich die Tour anscheinend nicht fahren sollte.

Bikergirl, Motorradfahrerinnen, reallypassionate.riders
Vor Tourbeginn wurden von Anni die Gruppenfahrregeln erklärt.

Noch bevor die anderen starteten, konnte mir der freundliche Herr des ADAC jedoch versichern, dass er meine Daytona und somit auch die Tour für mich retten wird. So ganz ging es wohl doch nicht ohne Männer an diesem Tag ;-). Vielen Dank dafür an den Gelben Engel!

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Der Gelbe Engel konnte das Leck reparieren. Ein Glück!

Über eine kürzere Strecke konnte ich mit Steffi die anderen Mädels in Augustusburg einholen, nachdem der Schaden repariert wurde. Ich erklärte mich bereit, Muriel die Führung ab da an abzunehmen, die sich bis dahin sehr gut geschlagen hatte. Ich wollte mir beweisen, dass ich auch als noch relativ unerfahrene Bikerin eine Gruppe führen kann. Meine Nervosität wollte ich auf gar keinen Fall die anderen spüren lassen. Aber jetzt kann ich es ja sagen: mir lief das Wasser ohne Ende!

Bikergirl, Motorradfahrerinnen, reallypassionate.riders
12 Motorräder von 12 leidenschaftlichen Bikerinnen.

Viele Fragen bin ich auf der Strecke immer wieder durchgegangen. Bin ich zu langsam? Bin ich zu schnell? Fahre ich die richtige Linie? Kommen die anderen nach? Sind noch alle da? Ist die Lücke groß genug, dass alle zusammenbleiben beim Abbiegen? Bleibt die Ampel grün? Sollte ich besser anhalten?

Ich hatte gefühlt 1.000 Gedanken im Kopf und habe fast mehr in den Rückspiegel geschaut, als auf die Straße vor mir. Als ich dann am ersten Stopp gesagt bekam, dass alles bestens ist, wurde ich etwas ruhiger und begann diesen einzigartigen Tag vollends zu genießen.

Bikergirl, Motorradfahrerinnen, reallypassionate.riders
Mittagspause am Schloss Wolkenstein.

Die Tour war eine der besten Erfahrungen in meinem kurzen Bikerleben. Ich bin immer noch sehr beeindruckt davon, wie gut alles geklappt hat und wie schön es alle fanden. Wir waren nicht die mit dem schönsten Outfits oder die mit der besten Figur. Wir waren Bikerinnen mit der gleichen Leidenschaft und haben uns auf einer ganz anderen zwischenmenschlichen Ebene getroffen.

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Es konnte für mich im Nachhinein kein schöneres Lob geben, als die Frage nach einer erneuten Tour. Ich bedanke mich bei alle Ladys, die diesen Tag so schön und einzigartig gemacht haben und für die gegenseitige Rücksichtnahme, die ihr untereinander beispiellos gezeigt habt. Wieder einmal hat mir diese Tour gezeigt: auch Männer fahren nur mit Benzin.

Eure Heidi

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