Den Herbst haben wir längst eingeläutet. Bunte Wälder, warmes Licht, idyllische Touren in der zur Ruhe kommenden Natur. So würden die Saisonfahrer die letzten Tage definitiv gerne auf ihrem Motorrad nutzen. Und obwohl der Herbst auch für mich eine wunderschöne Jahreszeit ist, bringt seine raue und unbeständige Witterung so einige Gefahren mit sich, auf die man sich als Motorradfahrer jedes Jahr aufs Neue einstellen sollte. Warum es nun heißt: runter vom Gas – und wie wir uns dem Wetterwechsel am besten anpassen können, habe ich im folgenden Blogpost ausführlich zusammengefasst. Viel Spaß beim Lesen!


An goldenen Herbsttagen belohnt uns die Sonne nicht selten mit einem spektakulären und gleißenden Lichteinfall. Aber so romantisch es klingen mag: fahren wir ihr direkt entgegen, geht von der tiefstehenden Sonne eine große Blendgefahr aus. Ein Kraftakt für die Augen und unsere Konzentrationsfähigkeit. Das Wechselspiel von Licht und Schatten in bewaldeten Gebieten lässt außerdem oftmals eine freie Sicht, wie wir sie im Sommer gewöhnt sind, nicht mehr zu.

Ob nun ein Helm mit klarem Visier und integrierter Sonnenblende, ein dunkles Visier (Achtung: an die zeitig eintreffende Dunkelheit denken) oder einfach die Sonnenbrille: der Möglichkeiten gibt es viele um sich zu wappnen. Ein zerkratztes Visier ist nun aber mehr denn je tabu, da das eintreffende Sonnenlicht aufgrund der Reflektion die Sicht extrem beeinträchtigend kann. Um Blindflüge zu vermeiden sollte deswegen unbedingt ein sauberes und einwandfreies Visier benutzt werden. Ein Pinlock-Visier verhindert außerdem das Beschlagen des Visiers durch die Atemluft bei kaltem Wetter und ist sein Geld auf jeden Fall wert.

Außerdem ist zu bedenken: auch andere Verkehrsteilnehmer sind durch die schlechteren Licht- und Sichtverhältnisse beeinträchtig! Motorradfahrer leben deshalb vor allem im Herbst sehr gefährlich. Vorausschauendes Fahren, eine erhöhte Bremsbereitschaft und ein angepasstes Tempo hilft, um nicht übersehen zu werden.

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Wildwechsel sind für Motorradfahrer ein extrem unkalkulierbares Risiko. Wie schnell es zu einer Kollision mit Wild kommen kann, musste ich im letzten Herbst erst selbst erleben. Während ich dabei im PKW relativ sicher war und glimpflich davon kam – anders als das Reh – sind Motorradfahrer einer viel größeren Gefahr bei Wildzusammenstößen ausgesetzt. Eine Kollision mit Igel, Fuchs und Co. verursacht an Autos oftmals nur einen Blechschaden, kann einem Motorradfahrer aber schnell das Leben kosten. Da die Tage kürzer und die Nächte länger werden ist also äußerste Vorsicht bezüglich aller Wald- und Wiesentiere geboten.

Wie man bei plötzlich auftauchendem Wild am besten reagieren sollte, lässt sich wie beim PKW (moderat starkes Abbremsen bei Kleintieren, Vollbremsung bei großem Wild, Lenkrad festhalten, auf keinen Fall ausweichen) nicht pauschal sagen. In jedem Fall ist eine vorausschauendes Fahrweise und angepasstes Tempo in Wildwechselgebieten dringend erforderlich.

Ein kombiniertes Brems-Ausweich-Manöver sollten nur sehr geübte Fahrer ausführen, da dies viel Übung und Technik verlangt um die Situation gekonnt zu entschärfen. Denn Ausweichen ist oftmals leichter gesagt als getan und ebenso situations- und witterungsabhängig. Mit einem Fahrsicherheitstraining programmierst du aber sehr gut richtiges Bremsen und mögliche Ausweichmanöver ein (Memo an mich selbst: Fahrsicherheitstraining absolvieren!).

Mit einer Gefahrenbremsung sind wenig erprobte Fahrer besser beraten, selbst wenn das ein Aufprall mit einer gewissen Restgeschwindigkeit bedeutet. Ansonsten heißt es wohl unterbewusst und in Bruchteilen von Sekunden abzuwägen. Während dich ein Hase oder Fuchs nicht unbedingt zum Sturz bringen muss, sieht das bei Wildschweinen und Haarwild ganz anders aus. Ob du dich gerade in einer Allee mit vielen Bäumen befindest, im Gebirge oder zwischen freien Feldern kann und sollte deine Entscheidung ebenso beeinflussen.

Schon länger liegendes und vertrocknetes Laub saugt sich bei Regengüssen schnell mit sehr viel Wasser voll. Das kann für einen Motorradfahrer in einer unangenehmen Rutschpartie enden, da sich nasses Laub, aber auch Fallobst der Obstbäume am Straßenrand, nicht selten in gefährliches Schmiermittel verwandeln. Dadurch verlängert sich nicht nur der Bremsweg, auch in Kurven steigt die Gefahr wegzurutschen. Kurven in einem angemessenen Tempo zu nehmen und erst danach wieder moderat zu beschleunigen kann hilfreich sein um Stürze auf mit Laub übersähten Straßen zu vermeiden.

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Besonders im Herbst und Winter kann es zu erheblichen Verschmutzungen der Fahrbahnen kommen. Nicht nur Herbstlaub und Fallobst beeinträchtigen die Straßenverhältnisse, auch Erntemaschinen bringen Schlamm und Erde vom Feld mit auf den Asphalt. Außerdem sorgen plötzlichen Temperaturstürzen nicht selten für Raureif auf den Straßen. Das Befahren von Bitumenstreifen sowie weißen Fahrbahnmarkierungen ist unter diesen Umständen ebenso mit Vorsicht zu genießen.

Auch hier gilt wieder wachsam fahren und es ruhig angehen zu lassen, sollte man auf solchen Pisten unterwegs sein. Vor Herbstbeginn sollte man außerdem seine Reifen auf genügend Profiltiefe und den richtigen Reifendruck checken.

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Erntefahrzeuge bringen nicht nur besagten Schmutz auf die Straße, sondern sind ebenso sehr langsam unterwegs. Hinter jeder Kurve könnten sie demnach plötzlich als Hindernis auftauchen. Aufgrund ihrer Überbreite benötigen landwirtschaftliche Fahrzeuge außerdem beim Abbiegen nicht nur mehr Platz, auch Überholvorgänge können auf kleineren Straßen sehr gefährlich werden.

Obacht ist auch immer bei entgegenkommenden Erntemaschinen geboten: nicht selten werde diese von genervten Autofahrer riskant überholt. Zum Leidwesen von Motorradfahrern, welche dabei schnell übersehen werden.

Wenn du selbst mal wieder hinter Traktor, Mähdrescher und Co. ohne geeignete Überholmöglichkeit hinterher zuckelst, denke immer daran: ohne diese wichtige Arbeit wären dein Kühlschrank und dein Magen verdammt leer. Das lässt dich die Situation wesentlich entspannter sehen und ehe du dich versiehst biegt das Erntefahrzeug auf den nächsten Feldweg ab.

Nebelbänke_Fotor

Mehr denn je zählt nun im Herbst: gesehen werden hat oberste Priorität! Das Überprüfen der Funktionstüchtigkeit aller Beleuchtungselemente sollte Selbstverständlichkeit sein. Aber auch die regelmäßige Scheinwerferwäsche bringt eine größere Lichtausbeute, da diese in den rauen Jahreszeiten sehr viel schneller verschmutzen. Auffällige Kleidung zu tragen kann darüber hinaus dazu beitragen von anderen Verkehrsteilnehmern besser erkannt zu werden.

Ansonsten gilt bei auftauchendem Nebel das Gleiche wie mit allen anderen Fahrzeugen auch: unbedingt auf den Sicherheitsabstand achten, Tempo je nach Sichtverhältnissen anpassen, bremsbereit bleiben, Überholvorgänge sind auf zweispurigen Landstraßen tabu.

Wenn vorhanden, Nebelscheinwerfer und Nebelschlussleuchte gemäß StVO einschalten. Dauert die Nebelfahrt länger, ist es ratsam regelmäßige Pausen einzulegen. In eine Nebelfront zu starren kostet viel Kraft und Konzentration.

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Starke Winde und Stürme gehören längst nicht mehr nur dem Herbstwetter an. Der Vollständigkeit halber sollen sie dennoch erwähnt sein. Denn von einer Windeböe erfasst zu werden kann einen gehörigen Schrecken einjagen. Die Ruhe bewahren, Geschwindigkeit reduzieren und versuchen die Spur nicht zu verlassen während sich das Motorrad wieder stabilisiert, ist das einzige was man in so einem Moment tun kann. Besonders aufmerksam sollte man sein, wenn man einen Windschatten befährt oder verlässt; sprich an LKW, Brücken, Schneisen, Waldrändern etc. vorbei fährt.

Des einen Freud ist des anderen Leid. Während sich die Temperaturen langsam aber sicher den zweistelligen Bereichen mit einer 1 davor nähern, so muss man sich auch über kurz oder lang auf dem Motorrad anpassen. Warm einpacken ist nun die Devise. Denn Kälte und Frieren fordert nicht nur viel Konzentration und Kraft, sie lässt uns auch regelrecht erstarren. Unsere Reaktionsbereitschaft sinkt.

Wer kennt es nicht, dass geschmeidiges Kurvennehmen dann um einiges schwerer fällt? Die Finger nicht mehr 100%tig das machen, was sie sollen? Die Nase läuft und die Knie anfangen zu schmerzen? Ich entscheide mich deswegen an kühlen Herbsttagen definitiv für meine warme wasserdichte Textilkombi, Winterhandschuhe und Stiefel (Imprägnieren nicht vergessen!), ein dickes Halstuch und Funktionsunterwäsche. Dann kann ich auch schöne Touren im Herbst vollends genießen. Auch ohne anschließende Erkältung. Superlative wäre jetzt nur noch eine Griff- sowie Sitzheizung – das überlasse ich aber den Ganzjahresfahrern ;-). Wenn es zu frisch wird lasse ich mein Motorrad stehen!

Aber inkende Temperaturen fordern nicht nur angepasstes Verhalten in Sachen Kleidung. Auch andere Aspekte sind nun bei Kälte und Regen zu beachten: die Griffigkeit von Reifen und Asphalt lässt nach, Reifen und Maschine brauchen deutlich länger um auf Betriebstemperatur zu kommen und lange Bremswege bedürften deutlich gefühlvollere und umsichtigere Fahrmanöver. Die applausfähige Schräglage sollte auf den nächsten Sommer verlegt werden ;-).


Der Herbst ist definitv kein Grund, um auf ausgedehnte oder spritzige Motorradrunden verzichten zu müssen. Ich persönlich liebe es durch die farbenprächtigen Wälder zu rauschen, die frische Luft in meine Lungen zu lassen und dem Wandel das Jahreszeiten so nahe sein zu können. Die Straßen werden leerer, man freut sich noch mehr auf die anschließende heiße Schokolade und stimmt sich so langsam aber sicher auf den Jahreswechsel ein.

Bei wirklich schlechten Wetter- und Witterungsverhältnissen bleibt das Motorrad definitiv öfter in der Garage stehen. Wie ich finde können mit Wachsamkeit und angepasstem Fahrverhalten die letzten Tage der inoffiziellen Motorradsaison allerdings noch vollends genossen werden.

Bis wann fahrt ihr Motorrad und habt ihr schon ähnliche Erfahrungen machen können wie im Blogpost beschrieben?

Ich bin auf euere Erfahrungen gespannt!

Viele Grüße, Marie

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