Gedanken und emotionales Feedback zur Honda Fireblade SP

04. Mai 2018, Probefahrt. Ich starre auf den mächtigen, mattschwarzen Tank der Honda Fireblade unter mir. In meinen Augenwinkeln das satte Rapsfeldleuchten, dessen honigschwerer Duft in meiner Nase liegt. Mein Herz schlägt mir bis zur Brust. Und mein Blick, der schließlich vom Tank zum Display wandert, gewinnt an Zuversicht. Leerlauf. Ich ziehe die Kupplung und lege den ersten Gang ein. Einige Momente des Zögerns. Dann lasse ich die Kupplung kommen, gebe Gas und tauche ein in die goldgelbe Landschaft.


Oft habe ich in meinem Leben die Erfahrung gemacht, erst dann besser zu werden, je größer die Herausforderung ist, der ich ins Auge blicke. Und diese früher oder später zu meistern ist das, was mich im Leben stolz macht.

Im letzten Jahr fühlte ich mich im Bezug aufs Motorrad fahren wirklich angekommen. Fühlte mich sicher, richtig und gut. Stolz. Aber gleichermaßen schien mir etwas zu fehlen…

Die Herausforderung. Das was mich antreibt, mich unbedingt verbessern zu wollen. Weil eben alles so gewohnt ist im sicheren Hafen. Und ich genau deswegen den Wunsch nach Veränderung verspürte.

Und plötzlich finde ich mich auf einer Supersportler wieder, die mir direkt in unseren ersten 20 Minuten das Herz stielt. Ich lache laut, während ich auf der Landstraße ein Auto überhole und wir förmlich an ihm vorbeifliegen. Einer dieser Momente in denen ich denke: genau hier will ich sein! Und trotzdem begreift man es eigentlich gar nicht. Weil ich alles wollte… nur keine Rennmaschine. Und es dann doch tief in mir spüre. Bestimmung, Hingabe, der richtige Ort, die richtige Zeit. Vielleicht nicht für immer. Aber im Hier und Jetzt. Das ist wichtig.

Ich gab also die Kontrolle über meine eigentlichen Vorstellungen bezüglich eines neuen Motorrads ab und gewann dafür etwas unheimlich wertvolles: die Chance, etwas ganz Neues kennen zu lernen; sowie mich und meine Leidenschaft zum Motorrad fahren neu zu entdecken. Denn wer ewig darauf wartet, erst perfekt in einer Sache zu sein, bevor er den nächsten Schritt zu gehen wagt – der wird und kann ihn niemals gehen.

Und während für andere Motorradfahrer die technische Ausgereiftheit und die Menge an elektronischen Assistenten einer Fireblade SP vielleicht nahezu langweilig erscheinen, ist es für mich unheimlich vertrauengebend und spaßbringend, wie ich durch sie meine Intuition fürs Kurvenfahren in den letzten Wochen ausbauen konnte.

Ihre Fahrbarkeit ist einfach gigantisch und ich kann mich dadurch voll und ganz darauf konzentrieren, meine eigene Technik zu verbessern. Sie ist eine absolut verrückte, aber richtige Entscheidung gewesen. Überraschend gutmütig und kraftvoll zugleich. Und es ist faszinierend, dass ich durch sie plötzlich auch mit unseren Naked Bikes ganz anders umgehe. Das genau das eingetreten ist, worauf ich im letzten Jahr wartete. Persönliche Verbesserung.

Und Warum? Weil sie meine Perspektive verändert hat. Weil ich nun anders auf die Dinge blicke. Sie ganz anders wahrnehme und die neuen Herausforderungen mit ihr meine gewöhnlichen Schwierigkeiten alt aussehen lassen.

Man muss ihn eben einfach nur tun – diesen Schritt nach vorn. Denn wir können nicht erwarten, in einer Sache besser zu werden, wenn wir immer nur das Gleiche tun. Und zwar das, was wir eigentlich schon ganz gut können.

Momentan fühlt sich genau das richtig für mich an. Den sicheren Hafen zu verlassen, aber auch hin und wieder zu ihm zurück zu kehren. Immer dann, wenn ich es brauche.

Ja, ein Motorrad zeigt dir, wer und wie du bist. Und es zeigt dir den Weg, solange du dich und deine Befürnisse wahrnimmst. Heute noch nicht perfekt, auch morgen nicht. Aber Vertrauen. Zur Maschine, zu mir. Das will ich in der kommenden Saison unbedingt ausbauen.

Liebe Grüße, Marie

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8 Kommentare zu „Gedanken und emotionales Feedback zur Honda Fireblade SP

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  1. Schöner Artikel aber ganz vergessen sollte man dabei auch nicht das solch eine Entscheidung trotz allem gut überdacht sein sollte. Was dafür spricht ist das du zum einen eine Frau bist und dich damit besser unter Kontrolle hast als ein Mann in puncto mehr PS Raserei Gefahr…… und auch kein junger Teenie mehr. Dem Fazit des Artikel kann ich jedenfalls nur zustimmen. Aber IMMER geht das eben auch nicht gut sich allen neuen Herausforderung so zu stellen und zu denken/hoffe es geht schon alles gut. Für einen oder eine Anfang 20 Jährige mit 200ps hhmm ( unabhängig mal davon fehlt es da vermutlich dann auch an den finanziellen Mitteln eh ) und wenn das nun jeder machen würde. Was dann ? Am Ende ist es nat. jedem selbst überlassen und jeder weiß welches Risiko der dabei eingeht. So oder so gilt jedoch erst denken dann handeln.

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    1. Ja, da gebe ich dir natürlich Recht. In dem Beitrag schreibe ich ja einfach nur von mir. Die für sich passendes Herausforderung sollte sich jeder selbst suchen und auch zutrauen. Für die Allgemeinheit kann man da natürlich nie sprechen. LG

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  2. Brilliant! Ich fahre meine Crosstourer und anfangs hatte ich mit den 280 kg Gewicht so meine ’not‘. Aber wenn deine innere Einstellung stimmt und seitdem ich mir selbst vertraue, macht sie so eine Freude, ob zusammen mit Supersportlern oder auf Tour. Einfach genial.
    Ich kann Dir das sowas von nachfühlen und wünsche Dir viel Spaß und allzeit sichere Fahrt.

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    1. Vielen Dank :-). Das drauf einstellen ist ein gutes Stichwort. Damit steht und fällt alles, was man im Leben anpackt. Es freut mich, dass auch du da so gute Erfahrungen gemacht hast! Liebe Grüße

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  3. Schönes Motorrad! Ich persönlich bin ja ein Freund von der „Step by Step“ Methode. Erst wenn man die Basics drauf hat zum nächsten Schritt gehen. Bewährt sich in der Regel.

    Und bevor ich mir die Frage stelle ob ich den nächsten Step angehe finde ich man muss ganz ehrlich zu sich selbst sein und sich fragen (im Bezug auf Motorrad fahren): hab ich meine jetzige Maschine überhaupt in einen Bereich gebracht der eine Steigerung des Materials in irgend einer weiße verlangt? Ganz oft ist die Antwort darauf: „Nein“.

    Das heißt natürlich nicht dass man sich kein größeres/stärkeres/schnelleres Motorrad kaufen kann! Aber dann ist der Grund halt einfach: ICH WILL! Ich mag wie es aussieht, ich mag wie es sich anhört, ich mag dass es auf der Geraden schön beschleunigt usw…. Alles legitime Gründe! Auch wenn es natürlich traurig ist wenn man sieht wie manche ihre PS starken Maschinen so bewegen… Denn, gerade zu einer Fireblade, gehören ja nicht nur die PS. Das Fahrwerk, die Fahrwerksgeometrie, die elektronischen Helfer etc, alles ist darauf ausgelegt mit der Präzision eines Rasiermessers durch die Kurven zu ziehen…. Leider nutzen viele das Potential der Maschine nur zu 5%…. Auf der Geraden Rennpferd, in den Kurven dann lahmes Pony. Mag daran liegen dass ich aus einer Gegend komme mit sehr vielen kurvigen Strecken und es da besonders auffällt… Wäre es ein Tier, würde das wohl unter „nicht artgerechte Haltung“ fallen.

    Ich frag mich dann immer warum sich die Leute sowas antun? Klar, aufm Parkplatz schaut das Super aus wenn man so ein Motorrad hat… Aber da sieht einen auch keiner rumgurken. Dabei könnte man auf so manchen Motorrädern mit weniger Leistung, dafür aber ähnlich gutem Fahrwerk etc. viel besser lernen….

    Aber vielleicht liegt genau da das Problem: vielleicht wollen viele gar nicht wirklich lernen wie sie ein Motorrad sicher und zügig zu bewegen. Vielleicht gehts auch ganz oft darum das Teil ab und zu mal aus der Garage zu holen, ein bisschen rumzugurken und sich über die Blicke zu freuen wenn man an der Eisdiele steht.

    Im Endeffekt muss es jeder für sich selbst entscheiden. Bei „für sich selbst“ kann man sich dann aber auch die rechtfertigungs Litaneien sparen. Denn auch der Grund „ich wollte das Teil haben weil es so schön aussieht“ ist völlig legitim. 🙂

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    1. Zunächst einmal vielen Dank für das Auseinandersetzen mit meinem Beitrag. Das was du beschreibst und wie du denkst, kann ich gut nachvollziehen, sehe es auf mich bezogen aber in vielen Dingen anders.

      Auf meinem Blog schreibe ich sehr oft über meine ganz persönlichen Empfindungen, die in keinster Weise eine allgemeingültige Empfehlung darstellen. Da das aber oft so aufgefasst wird, sollte ich das in nächster Zeit klarer definieren. Denn diesen Artikel hätte ich über jedes anderes Motorrad genauso schreiben können, wenn meine Wahl darauf gefallen wäre. Was eben auch nicht bedeuten soll, dass ich anderen empfehlen möchte genauso zu handeln wie ich. Mir ging es eher um meine Aussage „zwischen den Zeilen“.

      Und in der Tat ist meine die Wahl zur Fireblade nicht aufgrund der PS gefallen. Ich wollte grundsätzlich „kein größeres/stärkeres/schnelleres Motorrad“; ich wollte Veränderung. Habe mich viel umgesehen und war irgendwann einfach offen dafür, in eine ganz andere Richtung zu denken. Und nun genau das Lernen zu müssen was du beschreibst… die „artgerechte Haltung“… ist das, was mich fasziniert.

      Wäre ich grundsätzlich keine sichere Motorradfahrerin und mit meiner Yamaha nicht schon „gut unterwegs gewesen“, hätte ich mir das wohl auch nicht zugetraut und auch nicht den großen finanziellen Aspekt in Kauf genommen (aber auch das muss jeder für sich selbst einschätzen können). Denn geschenkt wird einem dieses Motorrad natürlich nicht. Dennoch lernt man eben nie aus – wie du schon sagstest. Egal ob auf einer kleinen oder großen Maschine. Und die Wenigsten von uns bringen diese in der Tat an die physikalischen Grenzen. Was in meinen Augen aber auch nicht notwendig oder gar empfehlenswert auf der Straße ist.

      Was ich noch sagen möchte: kein Meister im vom Himmel gefallen und wenn ich jemanden sehe, der noch nicht „gut“ Motorrad fährt, dann denke ich zu allererst an andere Dinge. Weil ich mich viel mit Menschen über das Motorrad fahren unterhalte… und da auch viele Neulinge dabei sind, Menschen mit Ängsten und Traumata. Die es aber dennoch anpacken und lernen wollen. Jeder eben in seinem Tempo. Warum ständig darüber urteilen, wenn da niemand grundsätzlich gefährdet wird, sondern den Heizern vielleicht einfach nur das ein oder andere Mal in der Applauskurve „im Weg rum steht“? Warum so wenig Rücksichtnahme und das in Vordergrundstellen des eigenen Könnens? Warum nicht einfach mal darüber nachdenken, an welchem Punkt des Lernens sich dieser Mensch gerade befindet?

      Ich für meinen Teil fahre die Fireblade jedenfalls nicht, um sie an Hotspots vorzuzeigen. Dort findet man mich tatsächlich recht weinig, da ich lieber mein eigenes Ding mache. Ich finde es aber auch nicht schlimm, wenn andere Menschen das tun und sich das auch leisten können ;o). In meinen Augen sollte jeder das im Motorrad fahren finden, was ihn glücklich macht. Für den einen ist das die Rennstrecke, für die anderen 35 Tkm im Jahr Urlaubs- sowie Arbeitswege und für den nächsten sind das die Kaffeefahrten. Für mich ist es, am Wochenende tolle Touren zu unternehmen und da meinen Ausgleich vom Alltag zu finden.

      Ich denke, grundsätzlich sollten alle einfach ein wenig vorurteilsfreier und entspannter unterwegs sein. Aber all das sind Dinge, darüber kann man ewig miteinader diskutieren.

      PS: Mich sieht man tatsächlich mit der Fireblade ab und an auf dem Parkplatz rumgurken, da ich dort verschiedene Übungen etc. durchgehe ;o). Vertrauen aufbauen ist das A und O für die artgerechte Haltung.

      Liebe Grüße

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